reitsport Magazin Mai 2008



Ehrentag für ECO!

Zwölf Jahre lang führte sie den Reiterverband Hannover/Bremen, seit mehr als fünf Jahrzehnten ist sie besser bekannt als „Madame Meldestelle“. Erika Cordts wurde in Verden feierlich verabschiedet und viele Mitstreiter hielten einige Überraschungen für die 73-Jährige bereit.
Es gehört schon etwas dazu, die gestandene Reiterpräsidentin Erika Cordts aus der Fassung zu bringen, doch die Mitgliederversammlung im Verdener Niedersachsenhof schaffte dies. Es war der Tag von Erika Cordts, die nicht nur zur Ehrenpräsidentin des 90.000 Mitglieder starken Reiterverbandes Hannover (jetzt ohne Bremen) gekürt wurde, sondern auch das Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens durch Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) ausgehändigt bekam. Ein Akt der Rührung, denn Erika Cordts – sonst immer bestens informiert – wusste von nichts...
Engagement
Minutenlanger Beifall war der gestandenen Pferdefrau sicher, die sich wie kaum ein Verbandsführer in Deutschland besonders für Vereine, ihre Basis, stark gemacht hat.
In seiner Laudatio brachte Minister Ehlen gerade diese Tatsache besonders zum Ausdruck. Das Herausragende Engagement für das Gemeinwohl, der Verantwortungssinn und nicht zuletzt Zivilcourage hätten Ministerpräsident Christian Wulff davon überzeugt, der Reiterpräsidentin mit diesem hohen Orden auszuzeichnen. Kein anderes Bundesland weise prozentual so viele Mitglieder in Reitervereinen auf wie Niedersachsen, so Ehlen. „Und wenn es eine Person in unserem Land gibt, die diese Entwicklung maßgeblich mit forciert hat, dann sind das Sie, liebe Frau Cordts.“ Ehlen zeichnete den Lebensweg von Erika Cordts auf. Die gebürtige Hamburgerin kam schon 1955 zum damaligen Landesverband der Niedersächsischen Reit- und Fahrverein im Zuchtgebiet Hannover. Obwohl sie überwiegend hauptberufliche Geschäftsführerin war, hat sie sich vor allem ehrenamtlich engagiert. Unvergesslich sei die Mitwirkung bei den Olympischen Spielen in München 1972 und die Organisation unzähliger Deutsche-, Europa- und Weltmeisterschaften. Als Mitglied im Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, als Vorsitzende des Niedersächsischen Reiterverbandes und eben als Reiterverbandsvorsitzende in Hannover-Bremen, stehe Cordts für „menschliche Integrität mit Vorbildcharakter“, meinte der Minister. Die Sache habe bei ihr immer vor der eigenen Person gestanden, lobte Ehlen.
Und auch der ehemalige Kultusminister und jetzige Justizminister Niedersachsens, Bernd Busemann, ließ es sich nicht entgehen, Erika Cordts und ihr Engagement für das Projekt Reiten in der Schule hoch leben zu lassen. „Solche Projekte hängen immer von handelnden Personen ab, Sie liebe Frau Cordts, sind diese Person.“ Den rund 400 Delegierten und Gästen im „Niedersachsenhof“ rief Busemann euphorisch zu: „Sie können stolz sein auf diese Frau!“

 |  |
|
Launige Worte
Mit launigen Worten glänzte Breido Graf zu Rantzau. Der FN-Präsident erinnerte daran, dass ECO – wie Cordts von allen Seiten liebe- und respektvoll zugleich genannt wird – die „jugendlichen Reiter-Flegel auch so manches Mal zusammen gestaucht hat“. Die warteten dann demütig auf ein Zeichen aus der Meldestelle. „Wenn weißer Rauch aus dem Schornstein kam, war die Welt wieder in Ordnung“, freute sich Rantzau unter dem Beifall der Zuhörer. Er zitierte Dr. Michael Rüping. Der habe die richtigen Worte gefunden, so Graf Rantzau. „Mit Erika Cordts ist die Professionalität in die Meldestellen eingezogen.“
Viel Lob und gute Worte hielten auch Friedrich Scholten (Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), der Vorsitzende des Pferdesportverbandes Weser-Ems, Claus Bergjohann, sowie der Vorsitzende des Hannoveraner Verbandes, Manfred Schäfer für Cordts bereit. Letzterer zeichnete die Präsidentin sogar mit der Goldenen Ehrennadel des Hannoveraner Verbandes aus.
Die neue Ehrenpräsidentin Erika Cordts, überwältigt ob der zahlreichen Auszeichnungen und Lobeshymnen, blickte kurz und knackig auf ihre Amtszeit zurück. Viel sei auf den Weg gebracht worden, manches könne verbessert werden. Und ECO, bekannt für ihre klaren Worte, resümierte: „Man kann nicht alle lieben, aber achten.“ ...weiter im Heft




Erster Leistungs-Check
Saisonauftakt im Reiterstadion in Hannover: Alljährlich gilt das so genannte Military- Meeting als Leistungs-Check für die Vielseitigkeitsreiter aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie nutzen die Ein-Tages-Prüfung der Klasse L auf dem Gelände der ehemaligen Kavallerieschule Hannover, um die Leistungen ihrer Pferde nach der Winterpause zu überprüfen.
Reiter aus Schweden, der Schweiz, Finnland und Irland waren angereist. Die Vielseitigkeit wurde in drei Abteilungen gewertet. 93 Pferde gingen an den Start.
Die erste Abteilung war den Junioren vorbehalten, die am Derby-Eventing-Cup „Nord Junioren“ 2008 teilnehmen. Dieser Cup ist für die Vielseitigkeits-Junioren der Landesverbände Hannover, Bremen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Weser-Ems ausgeschrieben. Die Vielseitigkeit in Hannover bildet den Auftakt dieser Serie, die noch die CIC*-Prüfungen in Sahrendorf und Ströhen umfasst. Als Sponsor unterstützt die Firma Agravis Derby Vertrieb die Serie. Die Ehrung des Siegers findet dann mit einer Demonstration der Disziplin Vielseitigkeit im Rahmen der Messe „Pferd & Jagd“ im Dezember statt.
...weiter im Heft

Kleine Stars von Morgen
Sport top – Wetter Flop! Im Reiterstadion Hannover trafen sich bei Schnee, Graupelschauern und Sturmböen, aber auch ein paar sonnigen Abschnitten Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiter der Jahrgänge 1994 und jünger zur zweiten Landestalentsichtung im Pferdesportverband Hannover.
Wer in diesem Jahr mit dabei sein wollte, musste schon ein bisschen mehr Erfahrung im Sattel mitbringen als im vergangenen Jahr: Für die Disziplinen Dressur und Springen sollten Platzierungen in der Klass A vorliegen. Die Geländereiter starteten in Anlehnung an eine kombinierte Prüfung E-Dressur, E-Springen und Gelände.
...weiter im Heft


Du musst immer einen Traum haben
Das neugeborene Stutfohlen begrüßt Leonie Bramall (44) mit einem freudigen Wiehern, so bald ihre Besitzerin auch nur in die Nähe ihrer Weide kommt. Vielleicht wird aus der kleinen Serafina ja mal ein Olympiapferd, das zu seiner Reiterin von Anfang an Vertrauen hat.
Das Fohlen ist meine Freundin,“ sagt Leonie Bramall mit einem Funkeln in den Augen. Hoffnung setzt sie jetzt schon in den neugeborenen Youngster aus der eigenen Zucht. Zweimal startete Leonie Bramall bereits Olympischen Spielen – 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta – jeweils für Kanada. Zwar lebt sie jetzt schon fast 26 Jahre in Deutschland, aber die Kontakte zu ihren Eltern und ihrem Heimatland möchte sie nicht aufgeben.
...weiter im Heft

Oberstes Gebot: Disziplin
Jeden Morgen warten vier Pferde im Ausbildungszentrum Luhmühlen auf einen jungen Mann: Für den 17-jährigen Alexander Bontemps vom Pferdezucht- und Reitverein Luhmühlen beginnt der Tag um 5.30 Uhr in der Früh, denn dann kommt er mit seiner Mutter Gabriele in den Stall, um noch vor der Schule seine Pferde zu bewegen oder an der Hand zu führen.
Disziplin wird groß geschrieben bei dem Nachwuchstalent aus Salzhausen. Er war im vergangenen Jahr sowohl bei den Deutschen Meisterschaften im Springen der Junioren als auch in der Vielseitigkeit am Start. Neuester Höhepunkt in der Karriere des pferdebegeisterten Nachwuchstalents: Mit seiner Stute „Assja“ gewann er die L-Vielseitigkeit der Junioren in Hannover, mit „Allrounder Bo“ belegte er im Reiterstadion den sechsten Platz.
...weiter im Heft

Friese fürs Gemüt
„Was ist das denn?“, dachte Gesa Brümmer (43) als sie während einer Galashow bei der Equitana vor 15 Jahren das erste Mal Friesen live erlebte. Sie war so beeindruckt von der schwarzen Pferderasse, das sie auch welche haben wollte.
Heute hat sie Tjade, einen zehnjährigen Friesenhengst, und nicht nur den. Mittlerweile führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Helmuth (50) im ostfriesischen Bunderhee ein kleines Friesengestüt. Aus Spaß ist Ernst geworden – aber trotzdem ist die Pferdezucht Hobby geblieben. Es kam eins zum anderen. Erst fand das Ehepaar Brümmer das einmalige Grundstück mit altem Gemäuer an der holländischen Grenze. Mit der Erinnerung an die tollen schwarzen Pferde reifte der Gedanke: „Hier müssen Pferde her!“
...weiter im Heft

Anwalt für die Pferde
Was macht ein Pferdemann, der sich seit vielen Jahrzehnten für das Lebewesen Pferd einsetzt, an seinem 90. Geburtstag? Keine Frage: Er sitzt selbstverständlich auf dem Pferd. Kurd Albrecht von Ziegner, der international als engagierter Bewahrer der klassischen Reitlehre, als Ausbilder und Fachautor bekannt ist, feierte jetzt auf seinem Reiterhof in Mechtersen seinen 90. Geburtstag und konnte die besten Glückwünsche von vielen Gratulanten entgegennehmen.
Sein langjähriger Gefährte, der Trakehnerhengst Hornist, der 25 Jahre lang an seiner Seite war, musste letztes Jahr eingeschläfert werden. „Das war ein herrliches Pferd“, schwärmt von Ziegner, „im Gelände vorsichtig und zuverlässig, es beherrschte alle S-Lektionen und wurde für viele Reiter als Lehrpferd eingesetzt.“ Ende vergangenen Jahres kaufte er sich die fünfjährige Trakehnerstute Karamica, die er gemeinsam mit seinem 20-jährigen Enkel Dominik ausbildet.
...weiter im Heft


Anflug der Quälgeister
So schön der Frühling ja auch ist, er lockt leider nicht nur die Blüten und Blätter aus der Natur hervor, sondern auch jede Menge fliegendes Getier. Das meiste davon ist harmlos und in der Regel nur mäßig nervtötend. Einiges der fliegenden Fauna Deutschlands jedoch kann unseren Pferden im Sommer mächtig auf die Pelle rücken.
Quälgeist Nr. Eins ist sicherlich die Kriebelfliege/Gnitze, die Culicoidis, deren Speichel das gefürchtete Sommerekzem auslöst. Sie fliegt die Pferde hauptsächlich in den Tageswechselzeiten an (morgens und abends drei Stunden vor Dämmerung bis drei Stunden danach) und kann sich an feuchten Tagen auch für Nicht-Ekzemer zu einer wahren Plage entwickeln.
...weiter im Heft


Idyllisches Netz
Ob Schäferpfad, Heideroute oder Buchenweg – mit der Reitroutenkarte in der Tasche sind Ross und Reiter stets auf dem richtigen Weg und werden ganz nebenbei über kulturelle Höhepunkte und Besonderheiten der Region informiert.
Die Entwicklung des Reitroutennetzes für den Naturpark Lüneburger Heide hat sechs Jahre in Anspruch genommen. Eine lange Zeit, in der die Beteiligten mit einigen Unwegsamkeiten zu kämpfen hatten. Bereitbare Wege mussten aufgenommen und kartiert, Konfliktpotenziale identifiziert und minimiert und die Reitrouten mit allen Betroffenen abgestimmt werden, um die Einmaligkeit der Lüneburger Heide für Reiter sichtbar zu machen. Die Projektträgerschaft für das Vorhaben hatte der Bezirksreiterverband Lüneburger Heide im Rahmen der LEADER-Förderung für die Kulturlandschaft Zentrale Lüneburger Heide übernommen. Die Entwicklung des Routenplans und des Schilderkatasters erfolgte durch die Managementberatung Carsten Eichert in Handorf.
...weiter im Heft


Das Kleingehege
Unter Paddock versteht man einen eingezäunten Auslauf für Pferde. Manchmal mit direktem Zugang von der Box oder dem Laufstall, manchmal als „Vorgarten“ zur Weide, nicht selten auch Kleingehege genannt. Doch eines vorweg: Ein Paddock allein macht noch keine Pferdehaltung.
Zu einem Paddock gehört ein artgerechter, den Tierschutzrichtlinien entsprechender Unterstand, wenn er nicht in den Paddock integriert wird. Der Boden des Auslaufs selbst ist nicht bepflanzt, ist also graslos. Er dient folglich nicht der Nahrungsaufnahme, sondern hauptsächlich der wenigstens teilweisen Befriedigung des Bewegungsbedürfnisses des Pferdes. Trotzdem sollte man das Pferd in einem Paddock niemals länger als fünf Stunden ohne Raufutter lassen. Darum sollte der Auslauf auch über geeignete Futterständer verfügen.
...weiter im Heft


