Man nehme einen Hengst und eine aufnahmebereite Stute und lasse den Dingen ihren Lauf. Das war vorgestern. Heute übernimmt der Tierarzt fast immer die Funktion des ausrangierten Storchs. Warmblutzüchter, die sich allein auf die Natur und den Natursprung verlassen, sind inzwischen in der absoluten Minderheit.
Tupferproben und Follikel- und Trächtigkeitsuntersuchungen per Ultraschall gehören längst zum Standard, selbst Embryotransfers sind Usus. Die größte Veränderung, die mit diesen Entwicklungen einhergegangen ist, bringt Paul Schockemöhle folgendermaßen auf den Punkt: „Die Zucht spezialisiert sich immer weiter. Mit Vererbern wie Balou oder Cruising würde man keine Dressurpferde züchten und mit Donnerhall keine Springpferde.“
Damals... Der passionierte Züchter Hindrick Stüvel aus Rosengarten erinnert sich noch gut an die Zeit, als die Stuten per pedes zur Hengststation Sandkrug auf den Stüvel’schen Hof in Neuhaus bei Vorsfelde gebracht wurden. „Die Hengste wurden jedes Jahr im Februar mit der Bahn angeliefert und groß empfangen. Dann bezogen sie für die Decksaison den Hengststall. Das war jedes Jahr ein großes Ereignis für meinen Bruder Meinert und mich. Es ist heute kaum noch vorstellbar. Die Züchter kündigten sich nicht an, sondern brachten die Stuten, wenn sie rossig waren. Manchmal standen sechs Stuten auf dem Hof, und da nur zwei Hengste im Einsatz waren, musste man sich eben gedulden“, erinnert der Bauingenieur....weiter im Heft
Sport
"Start-Ziel-Sieg" für Stegemann
Nina Stegemann vom RFV „Gustav Rau“ Westbevern heißt die neue deutsche Meisterin in der Pony-Vielseitigkeit. Im südoldenburgischen Löningen-Böen-Bunnen gewann die amtierende Doppeleuropameisterin mit einem Start-Ziel-Sieg.
Im Sattel ihres elfjährigen Holsteiner Ponyhengstes Mr. Hale Bob setzte sie sich erstmals in ihrer Karriere gegen die nationale Konkurrenz durch und verwies ihre Kolleginnen Jenny Tönjes mit Aircraft vom RV Ganderkesee und Pia Münker mit Biggi vom RV Haus Kierst aus der EM-Goldmannschaft auf die Plätze. „Das ist mein erster deutscher Meisterschaftstitel, darüber freue ich mich unheimlich“, strahlte Nina Stegemann, die sich bisher bei einer Deutschen Meisterschaft erst eine Silbermedaille umhängen durfte: 2006, ebenfalls mit Mr. Hale Bob....weiter im Heft
Präsenz und Action
Drei Tage lang trafen sich die landesweit besten Akteure im Gespannfahren auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins Uelzen-Hansen, um sich in Prüfungen der Klasse S für Ein-, Zwei- und Vierspänner zu messen und die Landesmeisterschaften des Pferdesportverbandes Hannover unter sich auszutragen.
Rund 1000 Zuschauer hatten sich eingefunden, um die spannenden Prüfungen in der Dressur, im Gelände und im Hindernisfahren zu verfolgen. An den drei Wettkampftagen gingen 71 Gespanne aus acht Landesverbänden an den Start und zeigten interessanten Pferdesport mit imposanten Bildern. Nach den Dressurprüfungen hatte es in der Nacht vor dem Geländetag - der ja immer als das Herzstück des Fahrturniers gilt – durch geregnet, doch alle Hindernisse hatten glücklicherweise dem Regen standgehalten....weiter im Heft
Duen und Bollingerfehr nicht zu bremsen
Landesmeisterschaften Weser-Ems der Pony- und Großpferdezweispänner in Merzen: Es stimmte einfach alles. Das Wetter, die Zuschauerzahlen, das Ambiente beim Ausrichter RFV Merzen und die Leistungen der Aktiven!
Wer diese Meisterschaften in Merzen als Ausrichter toppen will, der muss früh aufstehen und sich verdammt anstrengen“, sagte kein Geringerer als Rainer Duen, Mannschaftsweltmeister der Vierspänner 2006, der in Merzen bei den Zweispännern sicher zu seinem zweiten Landesmeistertitel fuhr. „Noch ein Hindernis mehr aufgebaut und die können hier glatt ein Vierspännerturnier aufziehen“, machte der 37-jährige Pferdewirt und Amateurfahrer dem RFV Merzen Mut für neue Wege. „So ein Vierspännerturnier passt hier hin“, bestätigte auch der 25-jährige Andreas Bollingerfehr, der sich die Goldmedaille bei den Pony-Zweispännern holte. ...weiter im Heft
Werbewirksamer Busch
Eine Werbung für den Vielseitigkeitssport war die Weser-Ems Meisterschaft in Vechta.
Nicht nur das Starterfeld war groß, mit der Teilnahme des frisch gekürten Mannschaftsolympiasiegers Andreas Dibowski glänzte die gesamte Landesmeisterschaft. Den neu geschaffenen Tina Richter-Vietor Gedächtnispokal erhielt Kirsten Honekamp als beste Weser-Ems Starterin.
Was muss das für ein Gefühl für die Buschreiter in Vechta gewesen sein? Andreas Dibowski, eine Woche zuvor in Peking noch mit der deutschen Vielseitigkeits-Equipe ganz oben auf der Siegertreppe bei der Olympiade, startete am Heideweg in Vechta. Mit der achtjährigen Hannoveraner Stute FRH Fantasia von Federweisser (Züchter: Claus Cohrs, Oldendorf) trumpfte der Goldmedaillengewinner schon in der Teilprüfung Dressur mit 42,90 Minuspunkten deutlich auf. Es sollte nichts mehr hinzugefügt werden. Eine Bilderbuchrunde trotz heftiger Regenschauer, natürlich innerhalb der Bestzeit, zeigte, welche Klasse dieser Reiter hat. Auch im abschließenden Jagdspringen glänzte „Dibo“ ebenfalls. ...weiter im Heft
Persönliches
Nur das frühe Aufstehen nervt …
Ein Leben ohne Pferde kann er sich nicht vorstellen. Für den 14-jährigen Maurice
Tebbel steht fest: „Nach der Schulzeit mache ich etwas, was mit Pferden zu tun hat!“ Da tritt er ganz in die Fußstapfen seines berühmten Vaters.
Ob er nur noch ein Jahr oder vielleicht doch noch zwei Jahre die Schulbank in der Hauptschule Emsbüren drückt, das muss sich noch herausstellen. „Erst einmal muss der Hauptschulabschluss her, dann sehen wir weiter“, so Papa Rene Tebbel, der mit seinem dritten deutschen Meistertitel in Folge im vergangenen Jahr Reitsportgeschichte schrieb....weiter im Heft
Vielseitiger Tierarzt
Im liebevoll angelegten Garten der Familie Neuberg in Salzhausen-Oelstorf steht der zwölfjährige Hannoveraner Saphir, dessen Zuhause sonst das Ausbildungszentrum in Luhmühlen ist, gelassen vor dem „Familienbuchsbaum“.
Das botanische Motiv hat lange Tradition: „Der Buchsbaum ist fester Bestandteil unseres Familienalbums. Er ist sozusagen mit unseren Kindern mit gewachsen und bei jedem Zeugnisfest oder Kindergeburtstag mit abgelichtet worden“, erklärt Juttha Neuberg. Alles ist perfekt, selbst das Wetter hält. Nur der Braune weigert sich trotz allgemeiner Bemühungen zunächst standhaft, seinen Job als Fotomodell ernst zu nehmen – sprich pflichtbewusst die Ohren zu spitzen. Der Sunlight xx Nachkomme ist einfach zu entspannt, um dem Fotografen ein passables Foto zu bescheren, selbst ein großer Regenschirm verfehlt seine Wirkung. ...weiter im Heft
Coole Cobs
Einmal Welsh – immer Welsh: So kurz und knackig könnte man die Motivation von Familie kleine Kalvelage aus Goldenstedt bei Vechta beschreiben, Welsh Ponys zu züchten und für den Fahrsport auszubilden.
Doch bevor das Ehepaar seine Stuten- und Fohlenherde auf sechs Hektar schönster Naturweide mit idyllischen Teich vorstellt, muss erst mal Licht ins Dunkel des Welsh-Züchterlateins gebracht werden. Denn Josef kleine Kalvelage (53) kennt die Abstammungen seines Fohlenjahrgangs 2008 in und auswendig. Die A-Stute ist vom Cob-Hengst gedeckt, ihr Fohlen wird als Welsh C eingetragen. Wie jetzt, fragt sich der Laie: A x D=C? Genau! A, B, C, D: Gar nicht so einfach, den richtigen Durchblick bei den verschiedenen Welsh-Pony-Sektionen von A bis D zu bekommen. Den kleinsten Welsh-„Zwerg" (Sektion A) mit ca. 1,22 Meter Stockmaß vom mächtigen, großen Welsh-Cob (Sektion D) zu unterscheiden, ist nicht schwer. ...weiter im Heft
Praxis
Eine Vertrauenssache
Vertrauen ist die Grundlage des Vielseitigkeitsreitens. Keine andere Disziplin
baut so sehr auf ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd.
Eigentlich wollte Andreas Dibowski keine jungen Pferde mehr selbst ausbilden. Doch ziemlich schnell merkte er, dass ihm etwas fehlte: „Es macht einfach zu viel Spaß, den jungen Pferden beim Lernen zuzusehen und eine Bestätigung zu bekommen, wenn man seine Erwartungen in ein Pferd erfüllt sieht. Erleben, wie das Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd über Jahre hinweg wächst und sich in Prüfungen bewährt, das ist es, was das Vielseitigkeitsreiten ausmacht.“ Anders als im Dressur- und Springsport werden Vielseitigkeitspferde oft lange Zeit von einem Ausbilder geritten und nicht so schnell weitergereicht. Mehr Aufwand und Zeit kostet die Ausbildung eines guten Geländepferdes meistens, lohnt sich aber. ...weiter im Heft
Giftige Gräser durch Endophyten
Pferde, die Gras fressen, können an Hufrehe erkranken. Wurde dafür lange Zeit der Eiweißgehalt verantwortlich gemacht, weiß man heute, dass Kohlenhydrate – genauer Fruktane – der Auslöser sind. Mancher Hufrehefall lässt jedoch Fragen offen, denn nicht immer ist diese Erklärung schlüssig. Gibt es noch andere, bisher übersehene Faktoren in Gräsern?
Die heimischen Süßgräser leben gerne in Symbiose mit Pilzen, die unsichtbar innerhalb des Pflanzenkörpers, zwischen den Pflanzenzellen leben. Man nennt solche pilzlichen Mikroorganismen „Endophyten“ (von endo = innerhalb und phytos = Pflanze). Der Pilz wird von der Pflanze mit Nährstoffen und Energie versorgt und liefert dafür Eigenschaften, die dem Gras zum Konkurrenzvorteil verhelfen: Der Pilz kann Stoffe produzieren, die das Gras widerstandsfähig, also resistent machen, zum Beispiel gegen Frost, Dürre, Parasitenbefall, Übernutzung und auch Nährstoffmangel....weiter im Heft
Unter Dauerbeschallung
In den Reitställen findet sich eine neue Spezies besonders unter den jugendlichen
Reitern: sie erledigen keine Aufgabe ohne die Stöpsel ihrer Mp3-Player in den Ohren. Berit Salchow hat zwei Meinungen zur Musik eingefangen.
PRO: Mit Musik entspannen
Im Prinzip gehe ich nicht ohne meinen Mp3-Player aus dem Haus. Wenn ich ihn vergessen habe, ist das ganz ungewohnt und es fehlt mir etwas. Im Stall mache ich alles bei Musik: Ausmisten, Putzen und Reiten. Auch im Gelände reite ich bei Musik, es sei denn ich bin in Gesellschaft unterwegs. Dann fände ich das unhöflich, und schließlich kann man sich zu zweit oder zu mehreren ja auch nett unterhalten.
CONTRA: Im Stall nichts zu suchen
Natürlich höre ich gerne Musik und habe meinen Mp3-Player in der S-Bahn immer dabei. Aber im Stall hat Musik auf den Ohren meiner Meinung nach nichts zu suchen. Ich finde es total gefährlich, wenn jemand im Umgang mit dem Pferd oder sogar beim Reiten nichts oder auf jeden Fall wesentlich weniger als sonst von seiner Umgebung wahrnimmt. ...weiter im Heft
25 Jahre reitsport MAGAZIN
Aus 25 Jahren reitsport MAGAZIN
Es ist die 300. Ausgabe des Reitsport Magazins und damit seit nunmehr 25 Jahren Informationen und Unterhaltsames rund um den Pferdesport in Niedersachsen. In einem Sonderteil dieser Ausgabe widmen wir uns dem vergangenen Vierteljahrhundert und seinen Entwicklungen. Wir analysieren, wie sich die Turnierprüfungen verändert haben und welche Sicherheitsstandards entwickelt wurden. Aber auch die Mode spielt in dieser Ausgabe eine Rolle. ...weiter im Heft
Liebe Leser,
das Reitsport Magazin – gegründet in der Landeshauptstadt Hannover – feiert sein 25-jähriges Jubiläum. Ein guter Zeitpunkt, um über das Erreichte nachzudenken und die Weichen für die nächsten 25 Jahre zu stellen. Als Vorsitzende der Pferdesportverbände Hannover und Weser-Ems mit seinen rund 150.000 Mitgliedern sehen wir im Reitsport Magazin das wichtigste Medium, um Informationen aus dem Verbandsgeschehen, den Bezirken, Kreisverbänden und Vereinen, unseren Mitgliedern in Wort und Bild zu übermitteln. Gleichzeitig ist es neben der fairen und objektiven Berichterstattung die Aufgabe eines Magazins auch Probleme, Missstände oder Kritik aufzuzeigen, so dass sich die Verantwortlichen mit diesen Themen auseinandersetzen können und müssen....weiter im Heft
Kinder, wie die Zeit vergeht!
Seit zweieinhalb Jahrzehnten ist die Geschichte des Reitsport Magazins untrennbar mit dem Reiterverband Hannover-Bremen – seit April 2008 heißt er offiziell ferdesportverband Hannover – verbunden. Und das mit Sicherheit nicht „nur“ durch die Turnierausschreibungen. Welche Entwicklungen prägten dieses Vierteljahrhundert?
Ach Du heilige Marie“, dachte sich Erika Cordts, damals noch Geschäftsführerin des Reiterverbandes Hannover-Bremen, als Rüdiger Hagedorn 1983 mit der Idee zu einer neuen „Reiterzeitung“ in die Geschäftsstelle kam. Doch als er sein Konzept ausführlich erklärt hatte, stand der Erstausgabe des Reitsport Magazins, die pünktlich zum Messehallenturnier in Hannover erschien, nichts mehr im Wege. ...weiter im Heft
Turniersport im Wandel der Zeit
Über die Entwicklung des Turniersports berichten zwei „alte Hasen“, die sich vor und hinter den Kulissen des Turniersports bestens auskennen.
Vieles hat sich in den vergangenen 25 Jahren im Turniersport geändert“, weiß Erika Cordts, ehemalige Präsidentin des Pferdesportverbandes Hannover-Bremen und Präsidiumsmitglied der FN. „Allerdings begann der Wandel schon lange vorher und setzt sich heute immer noch weiter fort.“ Neben zahlreichen positiven neuen Regelungen für Pferde und Reiter gab es nur wenige, die Ärger unter den Pferdeleuten heraufbeschworen. Mittlerweile gibt es ein wesentlich größeres Turnierangebot und auch viel mehr Turnierreiter. Turnierreiten gilt heute nicht mehr als Luxus. „Es gab früher viel weniger Hallenturniere. Die Saison begann mit dem ersten Turnier im Frühjahr und endete im Herbst, während heutzutage fortlaufend immer irgendein Turnier stattfindet“, erzählt Hansi Wallmeier....weiter im Heft
Service
Die Messe für Niedersachsens Reitvereine
Superstars der Reiterszene von Lorenzo bis Heike Kemmer, Spiel und Spaß für die jüngsten Pferdenarren, mehr als 1.000 Pferde in Aktion und eine der spektakulärsten Galashows Europas – die Messe Pferd & Jagd in Hannover bietet vom 4. bis 7. Dezember 2008 mit insgesamt 700 Ausstellern aus 22 Nationen wieder jede Menge Innovationen....weiter im Heft
Festival für Pferdesportfans
Immer im Herbst bricht in der niedersächsischen Landeshauptstadt das Reitsportfieber aus, denn dann wird ein Name Programm: German Classics. Vom 23. bis 26. Oktober findet in der Messehalle 2 die achte Auflage des internationalen CSI**** Hannover statt. Zum siebten Mal geht es dabei um den Run auf Punkte und Preisgeld in der Riders Tour und das ist ein achtbares Argument für die internationalen Springreiter. ...weiter im Heft